Umgang mit Stress und schwierigen Gefühlen

Aktualisiert: Mai 3





Stress macht schwierige Gefühle wie z.B. Wut, Sorgen, Schuldgefühle, Frustration.

Und gleichzeitig machen schwierige Gefühle Stress. Wie können wir einen guten Umgang mit Stress und unseren Gefühlen finden? Darum geht's es in diesem Interview.


Hallo, wie schön, dass du hier auf meinem Blog vorbeischaust!


Ich bin Carolin Wüllner von YogaBreak & Mehr und begleite Mamas und Vielbeschäftigte heraus aus Stress und Unruhe hinein in Ruhe und Lebendigkeit. Und weil Stress so viele starke Gefühle in uns hervorruft, interviewe ich heute die wunderbare Birgit Lieser. Sie ist Expertin für Psychotherapie und 5-Elemente Ernährung und Psychologie. Und ich werde sie fragen, was wir machen können um mit diesen starken Gefühlen umzugehen, die bei Stress entstehen.


Das ganze Interview kannst du dir hier auch als YouTube-Video ansehen.


Herzlichen Willkommen Birgit! Birgit, wie kann das sein: Warum haben wir so viel Probleme mit starken Gefühlen wie Wut, Schuldgefühlen, Panik und Sorgen?


Also erstmal ist es ja so. Ich finde immer den Gedanken ganz schön:

Wir sind emotionale Wesen. Das ist unsere Ur-Natur emotional zu sein - sprich Gefühle zu fühlen. Und wir leben aber in einer Kultur, in der das nicht mehr wirklich kultiviert wird. Ich glaube seit Jahrhunderten tatsächlich. Wir leben eher in einer Kultur, da geht es darum vernünftig zu sein, tapfer zu sein, fleißig zu sein. Und da gibt es so eine innere Haltung von: heftige Gefühle und gerade schwierige Gefühle, die stören eher.

Und das führt dazu, dass Eltern ihren Kindern nicht mehr wirklich beibringen:

Wie geht es denn, wenn ein heftiges Gefühl so durch mich durchrauscht.

Was mache ich dann damit?


Ich beobachte viel eher, dass Eltern dann selber so ein bisschen hilflos sind und

dann sagen „Guck mal da das rote Auto!“ oder es gibt irgendwie einen Keks zur

Beruhigung oder irgendwie so was.


Und ich glaube, das hat sich über Generationen aufgebaut, sodass wir nicht mehr wirklich wissen: Wie geht es denn mit so einem heftigen Gefühl, dass gerade da ist, umzugehen? Wie kann ich meinen Körper dafür öffnen? Meine Atmung dafür öffnen, dabei bleiben ohne dass es mich überwältigt.

So hat sich einfach so eine Art und Weise eingebürgert, dass wir uns eher

versuchen uns von diesen heftigen und schwierigen Gefühlen fern zu halten.


Ich finde, du hast es an dem Beispiel Eltern und Kinder so schön benannt. Man versucht halt sich abzulenken, die Gefühle nicht genauer anzusehen, sondern seine Aufmerksamkeit auf was Anderes zu lenken. Was beobachtest du noch, was die Menschen - mit denen du arbeitest - machen, um diese Gefühle zu bewältigen?


Birgit lacht. Oh die Strategien sind sehr vielfältig und oft tatsächlich ziemlich kreativ.

Das Problem meiner Erfahrung nach ist in der Regel die schwierigen Gefühle zu verdrängen. Ja, die werden irgendwie unterdrückt und verdrängt - so ein bisschen zur Seite geschoben. Und dann greift man lieber gerade mal schnell zu Süßigkeiten.

Das ist ja auch eine Kopplung, die ganz viele Menschen früh gelernt haben:

Wenn ich weine, kriege ich einen Keks. Oder Babys die weinen, die kriegen immer erst mal die Flasche und da gibt es eine ganz tragische Kopplung. Es geht mir nicht gut, also greife ich zur Flasche.


Das ist ein Ursprung bei ganz vielen Menschen, die dann die Tendenz haben zu Süßigkeiten zu greifen, zum Alkohol zu greifen oder die sich mit Fernsehen betäuben oder inzwischen halt mit diesen ganzen Internetsurfereien.

Also das Grundprinzip ist Verdrängen. Das Problem dabei ist aber, dadurch verschwinden ja die Gefühle nicht, die werden so ein bisschen in den Untergrund verschoben. Und damit das funktioniert, müssen wir die Atmung runterfahren.

Also wir hören Gott sei Dank nicht auf zu atmen, aber es gibt das, was wir in der Therapie die Minimal-Atmung nennen.

Weil je weniger ich atme, desto weniger fühle ich.

Oder wir spannen die Muskeln gegen. Ich spanne meine Schultern an, ziehe meine Schultern hoch, spann den Nacken an, spann mein Bauch an und so weiter. Damit verhindere ich über den Muskelpanzer, dass die Gefühle wirklich in mir fühlbar werden.


Und das geht natürlich dann letztlich viel weiter. Auch bei diesen unterdrückten

und verdrängten Gefühlen, die machen in letzter Konsequenz ja Symptome. Und das können entweder körperliche Symptome sein:

Das kann dann die chronische Migräne sein oder das kann der Reizdarm sein oder

irgendwelche Atemgeschichten, Asthma-Geschichten, wo man gar nicht weiß, wo kommt das denn jetzt her.

Das können aber auch emotionale Symptome sein.

Das kann zum Beispiel eine Angststörung sein oder das können depressive Tendenzen sein. Das muss jetzt nicht eine gravierende pathologische Depression sein, aber das kann schon sein, dass Menschen, diesen emotionalen Regler runterdrehen, um einfach die Gefühle nicht mehr zu fühlen. Und das mündet dann eben in diesen

melancholischen und depressiven Tendenzen, die nicht mehr wirklich fühlen und die nicht mehr mit ihrer lebendigen emotionalen Lebendigkeit verbunden sind.

Von daher diese Strategien, die verdrängen und unterdrücken, die haben letztlich immer irgendeinen Preis, irgendeine Symptomatik, die sie mit sich bringen.

Es können die vielen Süßigkeiten sein, die zu Übergewicht führen. Das kann letztlich der Alkoholismus sein oder oder oder.